Aktuell laufende Projekte:


Der Einfluss von online Patientenbewertungen auf die Einfühung von Maßnahmen zur Verbesserung der Patientenzufriedenheit: eine online-basierte Querschnittsstudie

Mittels einer online Befragung von Leistungserbringern im Gesundheitswesen wurde untersucht, ob und wie diese auf Onlinebewertungen von Patienten reagieren. Im Fokus stand dabei die Frage, ob die Leistungserbringer schon einmal aufgrund der Bewertungen Maßnahmen zur Verbesserung der Patientenzufriedenheit eingeführt haben. Insgesamt haben 2.360 Leistungserbringer auf die Befragung geantwortet. Es konnte herausgefunden werden, dass 55% der Leistungserbringer angegeben haben, aufgrund von Onlinebewertungen schon einmal Maßnahmen zur Verbesserung der Patientenzufriedenheit eingeführt zu haben. Skalierte Bewertungssysteme führen dabei im Vergleich zu Freitextfeldern häufiger zur Implementierung von Verbesserungsmaßnahmen. Am häufigsten wurden Maßnahmen bzgl. der Kommunikation mit dem Patienten, die Verbesserung des Terminvergabeprozesses oder die Veränderung von Arbeitsabläufen veranlasst. Insgesamt kann zu dem Schluss gekommen werden, dass online Bewertungen einen positiven Effekt auf die Einführung von Verbesserungsmaßnahmen ausüben können, wobei die Limitationen der Studie berücksichtigt werden sollten. [Die Studie wurde in Kooperation mit dem Bewertungsportal jameda durchgeführt.]

 

Bewertungen auf Arztbewertungsportalen –  Aussagekräftige Grundlage für die Arztwahl?

Arztbewertungsportale erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Trotz des gestiegenen Interesses ist noch relativ wenig über den Zusammenhang von Online-Bewertungen auf Portalen und der tatsächlichen Qualität der ärztlichen Behandlung bekannt. Dies könnte einen Hinweis darauf geben, ob sich Patienten bei der Arztwahl an online Bewertungen orientieren können. Die Basis für diese Forschungsarbeit bildeten 2.170 Online-Bewertungen für Ärzte des Nürnberger Gesundheitsnetzes Qualität und Effizienz (QuE) auf den beiden Arztbewertungsportalen jameda und der Weisse Liste, die im Zeitraum von 2011 bis 2013 abgegeben wurden. Verglichen wurden diese mit Ergebnissen von insgesamt 21 Qualitätsindikatoren von 65 Mitgliedspraxen des QuE, die für diese Untersuchung zur Verfügung gestellt wurden. Diese beinhalteten sowohl strukturelle Informationen als auch Ergebnisse zur Prozess- und Ergebnisqualität. Als Ergebnis konnte gezeigt werden, dass die Online-Bewertungen auf beiden Arztbewertungsportalen die Zufriedenheit von Patienten tendenziell gleichmäßig wie klassische Offline-Befragungen abbilden; schließlich zeigten sich starke Zusammenhänge mit einer im Jahr 2012 durchgeführten Befragung in den QuE-Praxen. Des Weiteren fielen die Bewertungen auf beiden Portalen umso besser aus, je geringer die Anzahl der von einem Arzt betreuten Patienten ist. Darüber hinaus zeigten sich weitere Zusammenhänge, die aber für die beiden Portale unterschiedlich ausgefallen sind. So fielen die Bewertungen auf einem Portal beispielsweise umso besser aus, je höher der Anteil von Patienten mit Vorsorgeuntersuchungen und der von Diabetes Mellitus Typ 2 Patienten gewesen ist, die einen gewissen Zielwert in der Versorgung erreicht hatten. Auf dem anderen Portal hingegen waren die online Bewertungen umso positiver, je jünger die Ärzte waren und je mehr Diabetes Mellitus Typ 2 Patienten sich einer augenärztlichen Untersuchung unterzogen haben.  Obwohl die Ergebnisse der Studie erste Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Online-Bewertungen und den Qualitätsindikatoren geben, besteht auch weiterhin ein Forschungsbedarf um die Frage zu klären, ob Arztbewertungsportale eine aussagekräftige Quelle für Patienten auf der Suche nach qualitativ hochwertiger ärztlicher Versorgung darstellen. Die hier gezeigten Ergebnisse und die internationaler Studien lassen jedoch vermuten, dass der Nutzen möglicherweise größer sein könnte als ursprünglich angenommen.

Emmert M, Adelhardt T, Sander U, Wambach V, Lindenthal J. A cross-sectional study assessing the association between online ratings and structural and quality of care measures: results from two German physician-rating websites, in: BMC Health Services Research, 2015; http://www.biomedcentral.com/1472-6963/15/414

 

Pay-for-performance (P4P) im Gesundheitswesen: eine systematische Übersicht

Bei dem Qualitätsverbesserungskonzept „Pay for Performance“ (P4P) wird die Behandlungsqualität medizinischer Leistungserbringer anhand von Kennzahlen gemessen und versucht, mittels finanzieller und nicht-finanzieller Anreize positiv auf die Behandlungsqualität einzuwirken. Viele Studien sind bislang zu den Auswirkungen von P4P veröffentlicht worden, die sich u.a. auf die Effektivität, die Effizienz, unerwartete Nebenwirkungen, die optimale Gestaltung der Anreizkomponente, die Kombination mit nicht-finanziellen Anreizen oder auch die zusätzliche Berücksichtigung der Patienten (P4P4P) beziehen. Im Rahmen des Projekts werden die bislang gewonnenen Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Veröffentlichtungen systematisch zusammengefasst und in einem späteren Schritt als "Leitfaden" für die Praxis formuliert.

Emmert M, Ejkenaar F, Kempter H, Esslinger AS, Schöffski O. Economic evaluation of pay for per­for­mance in health care: a systematic review, in: The European Journal of Health Economics, 2011; http://www.springerlink.com/content/3814l4x3w3456l02

 

ProHTA (Prospektives Health Technology Assessment)

Das Projekt "Prospective Health Technology Assessment Medical Valley EMN" (ProHTA) ist im Spitzencluster “Exzellenzzentrum für Medizintechnik” eingebettet und zielt auf die Einrichtung einer wissenschaftlichen Dienstleistungsplattform zur Bewertung innovativer Gesundheitstechnologien bereits im Vorfeld ihrer Markteinführung. Der klassische HTA-Ansatz untersucht die Auswirkungen neuer Technologien im Gesundheitswesen ab dem Moment der Markteinführung. Hohe Entwicklungskosten sind dann bereits angefallen, was gerade für die beteiligten Unternehmen ein hohes finanzielles Risiko darstellt. ProHTA hingegen verfolgt den Ansatz, bereits in der Frühphase des Innovationsprozesses von Produkten und Lösungen die Auswirkung auf die medizinischen und organisatorischen Prozesse zu verstehen und diese mit den neuen Möglichkeiten der Technologie zu optimieren. Im Fokus stehen dabei solche Produkte, Lösungen und Dienstleistungen, die einen Beitrag dazu leisten, die Effektivität und Effizienz der  Gesundheitsversorgung (Gesundheitsförderung, Prävention, Diagnose, Therapie, Rehabilitation, Pflege und Nachsorge) deutlich zu steigern. Der Nachweis darüber soll in quantitativen Messgrößen erbracht werden. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement besteht die Aufgabe in der strukturierten Darstellung des deutschen Gesundheitssystems, damit Interaktionen zwischen den politischen Entscheidungsträgern bzw. -gremien, den Zulassungsbehörden, den Kostenträgern und den Leistungserbringern im Rahmen zu entwickelnder Modelle dargestellt und implementiert werden können. Besonderer Wert wird hierbei auf die verschiedenen Anreizmechanismen sowie Vergütungs- und Vertragsformen gelegt.

 

IVOPAK (Integrierte Versorgung der palliativen Therapie des kolorektalen Karzinoms)

Dieses Projekt wird in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Erlangen durchgeführt und hat die Zielsetzung, die Versorgungsqualität und Behandlungskosten bei der palliativen Therapie des kolorektalen Karzinoms aus der Perspektive der Kostenträger zu erforschen. Die aktuelle Versorgungssituation ist dadurch gekennzeichnet, dass viele verschiedene Therapien durchgeführt werden, ein allgemein akzeptierter und weit verbreiteter Therapiestandard aber bislang noch nicht etabliert ist. Daher werden im Rahmen einer prospektiven, multi-zentrischen Versorgungsforschungsstudie die Therapiekonzepte der beteiligten Teilnehmer aufgezeigt und ökonomisch bewertet. Ökonomisch evaluiert werden dabei die folgenden Ressourcenverbräuche: Transportkosten, stationäre Kosten, Kosten für die Versorgung in der Krankenhaus-Ambulanz, ambulante Behandlung, sonstige Leistungen, ambulante und stationäre Rehabilitation, Pflegeleistung sowie Arbeitsunfähigkeit. Anschließend sollen die Ergebnisse die Basis für ein Behandlungskonzept der Integrierten Versorgung bilden. Ebenfalls durchgeführt wird eine Lebensqualitäts-Befragung der Patienten.

 

Informationen für Patienten auf Arzt-Bewertungsportalen

Viele Gesundheitssysteme sind durch eine mangelnde Transparenz bezüglich der Qualität medizinischer Einrichtungen gekennzeichnet. Für Patienten bedeutet dies, dass es teilweise dem Zufall überlassen wird, ob man an einen qualitativ hochwertigen Leistungserbringer gelangt. Um dies zu beheben wird derzeit intensiv an der Thematik des Public Reporting (PR) gearbeitet. Gemäß der Theorie von PR informieren sich Patienten vor der Wahl eines Leistungserbringers über dessen Qualität und entscheiden sich anschließend für den jeweils besten. Als Folge würde mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen entstehen, von dem die guten Leistungserbringer profitieren könnten, schlechte hingegen würden möglicherweise aus dem Markt ausscheiden. Nachdem in der Vergangenheit mehrere PR-Instrumente eingeführt und evaluiert worden sind, gewinnen sog. Arztbewertungsportale (ABP) deutlich an Aufmerksamkeit. Jüngste Entwicklungen, wie die Etablierung des Arztnavigators der AOK bestätigen diesen Trend. Bislang ist allerdings wenig über Umfang und Art der dort bereitgestellten Informationen bekannt. Insbesondere wurde bislang noch nicht systematisch untersucht, inwieweit die Portale Informationen über die Qualität der Ärzte darstellen und somit für Patienten als hilfreiche Unterstützung bei der Arztwahl dienen können. Daher analysierten wir im Rahmen einer Kooperation mit Prof. Dr. Uwe Sander von der Hochschule Hannover den Inhalt deutscher Arztbewertungportale, strukturierten diesen gemäß der Qualitätsdimensionen nach Donabedian (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität) und untersuchten, ob Arztbewertungsportale eine hilfreiche Unterstützung für Patienten bei der Arztwahl sein können.

Emmert M, Sander U, Esslinger AS, Maryschok M, Schöffski O. Informationen über die Qualität von Ärzten auf deutschen Arztbewertungsportalen. In: Schreier G, Hayn D, Ammenwerth E, (Hrsg.) Tagungsband der eHealth2011. 26.-27.Mai 2011; Wien. OCG; 2011

 

Vergleich der Informationen für Patienten auf deutschsprachigen mit englischsprachigen Arzt-Bewertungsportalen

Arztbewertungsportale sind in Deutschland eine noch relativ junge Bewegung, insbesondere im US-Raum arbeitet man bereits länger an der Thematik. Daher wird derzeit untersucht, ob sich der Inhalt von Portalen aus dem angelsächsischen Raum von denen aus Deutschland unterscheidet und inwiefern man hiervon Verbesserungspotenziale ableiten kann.

 

Versorgungsforschung am Beispiel Diabetes: Welche Qualitätsmerkmale sind für Patienten relevant?

Vor dem Hintergrund steigender Zahlen übergewichtiger Menschen in Deutschland, zunehmendem Bewegungsmangel und einer alternden Bevölkerung in Deutschland sind in der nahen Zukunft steigende Diabetes-Patientenzahlen wahrscheinlich. Daraus ergibt sich eine hohe Relevanz dieser Thematik für die Versorgungsforschung im Hinblick auf möglichst effiziente Behandlung einer zunehmenden Zahl von Diabetes-Patienten in der Zukunft. Unabhängig davon verursacht „Diabetes mellitus“ schon heute im Vergleich zu anderen Krankheiten relativ hohe Kosten, weshalb es für Kostenträger von Interesse sein muss, die Behandlung der betroffenen Patienten möglichst genau zu steuern. Da im deutschen Gesundheitswesen im Rahmen der Regelversorgung die freie Arztwahl grundsätzlich garantiert wird, steht es jedem Patienten frei den Arzt seines Vertrauens zu wählen. Das Ziel dieser Studie ist es herauszufinden, welche Qualitätsinformationen für Diabetes-Patienten bei der Arztwahl von großer Bedeutung sind und welche weniger oder keine Bedeutung haben. Die Qualitätsinformationen sollen ein qualifiziertes Urteil über die tatsächliche Behandlungsqualität des jeweiligen Arztes ermöglichen. Die im Rahmen der Untersuchung als relevant identifizierten Qualitätsinformationen können in einem nächsten Schritt z.B. von Informationsportalen im Internet veröffentlicht werden. Patienten sind dadurch in der Lage über bestimmte Suchprofile die für sie relevanten Informationen zu Ärzten in ihrer Umgebung zu filtern und können mit diesen eine entsprechend qualifizierte Arztwahl treffen. Das Projekt wird durchgeführt von Herrn Benjamin Kolb.

 

Ein Überblick über bereits abgeschlossene Projekte:

Erarbeitung eines Vergütungsmodells für die Hausarztzentrierte Versorgung eines Bundeslandes (Pay for Performance - P4P)

Im Rahmen dieses umfangreichen Projekts wurde im Auftrag einer Krankenkasse ein erfolgsorientiertes Vergütungsmodell für die hausarztzentrierte Versorgung entworfen, zu dessen Angebot die Gesetzlichen Krankenkassen gemäß § 73b SBG V verpflichtet sind . Gemäß internationaler Erfahrungen mit dem Qualitätsverbesserungskonzept „Pay for Performance“ (P4P) wird die Behandlungsqualität medizinischer Leistungserbringer anhand von Kennzahlen gemessen und versucht, mittels finanzieller und nicht-finanzieller Anreize positiv auf die Behandlungsqualität einzuwirken. Aufbauend auf festgelegten Qualitätszielen werden die medizinischen Leistungserbringer für das (Nicht-) Erreichen der Ziele belohnt (bestraft). Bei dem Konzept bestand u.a. die Zielsetzung, durch ein neues Anreizsystem eine bessere Versorgung für chronisch Kranke zu etablieren. Dabei sollten sowohl kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen integriert werden. Auch wurde eine Basishonorierung für die Hausärzte herausgearbeitet, relevante medizinische Parameter mit Zielvorgaben identifiziert, ein Kennzahlensystem für die medizinischen Parameter entwickelt, eine Patientenzufriedenheitsbefragung konzipiert, relevante Parameter zur EDV-Ausstattung und Organisationsstruktur identifiziert etc.

 

Arzt-Bewertungsportale im Internet: Eine qualitative Betrachtung

Arzt-Bewertungsportale im Internet möchten Patienten bei der Suche nach dem richtigen Arzt Hilfestellung geben. Im Rahmen dieser Untersuchung wurde gezeigt, welche Bewertungsportale derzeit im deutschsprachigen Raum vorhanden sind und ob diese qualitativ höheren Ansprüchen genügen. Ein durchgeführter Test zeigt, wie umfangreich die Datenbanken der Portale und wie viele Empfehlungen bei den einzelnen Portalen bislang vorhanden sind. Anschließend wurde deren Bewertungs- bzw. Empfehlungssystem analysiert. Im Rahmen dieser qualitativen Betrachtung wurde untersucht, inwiefern die Portale definierte Qualitätsparameter einer guten Arztpraxis abfragen. Als Egebnis ergab sich, dass die Portale derzeit nur eingeschränkt in der Lage sind, Hilfestellung zur Identifikation einer guten Arztpraxis liefern zu können. Für eine fundierte Entscheidungshilfe müssten weitere Qualitätsbereiche integriert werden. Abschließend wurde aufgezeigt, dass bestehende Maßnahmen zur Verhinderung des Missbrauchs nicht ausreichend sind.

Emmert M, Eisenreich S, Maryschok M et al. Arzt-Bewertungsportale im Internet. In: IMPLICONplus - Gesundheitspolitische Analysen. Ausgabe 5/2008

Emmert M, Maryschok M, Eisenreich S et al. Arzt-Bewertungsportale im Internet - Geeignet zur Identifikation guter Arztpraxen? Gesundheitswesen, 2009, 71: e18-e27

Emmert M, Sander U, Maryschok M et al. Arzt-Bewertungsportale im Internet: Eine aktuelle Bestandsaufnahme. In: IMPLICONplus - Gesundheitspolitische Analysen. Ausgabe 9/2010

 

Ökonomische Evaluation des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM)

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) nach § 84 Abs. 2 SGB IX gewinnt derzeit an Bedeutung und Aufmerksamkeit. Allerdings ist die Auseinandersetzung mit den Themen rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement (zu denen BEM zählt) im Anfangsstadium. Nur vereinzelte Ergebnisse liegen vor, ob sich BEM aus der Perspektive eines Unternehmens finanziell „rechnet“. Daher wurde evaluiert, ob sich BEM für Unternehmen in finanzieller Hinsicht behaupten kann. Zur Beantwortung der Frage wurden relevante Kosten- und Nutzenkomponenten identifiziert und bewertet. Auch das Humankapital fand im Rahmen der Evaluation Berücksichtigung. Anhand eines konstruierten Excel-basierten Berechnungstools wurden umfassende Analysen vorgenommen. Dies erlaubte auch die Durchführung von Sensitivitätsanalysen, bei der Inputfaktoren systematisch variiert und die Auswirkungen auf das Ergebnis betrachtet wurden.

Faßmann H, Emmert M. Betriebliches Eingliederungsmanagement – Anreizmöglichkeiten und ökonomische Nutzenbewertung. Nürnberg: Institut für empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 2010

Jastrow B,  Kaiser H und Emmert M. Betriebliches Eingliederungsmanagement: Grundlagen und ökonomische Aspekte, in: Esslinger AS, Emmert M, Schöffski O. (Hrsg.) Erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement in Organisationen: Grundlagen und Best Practice. Gabler, 2010, 133-155

Emmert M, Schöffski O, Faßmann H. Rentiert sich das Betriebliche Eingliederungsmanagement für ein Unternehmen? Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement, 2009, 2, 59-61

 

Ökonomische Evaluation betrieblicher Vorsorge am Beispiel vaskulärer Erkrankungen

Im Rahmen dieser Untersuchung wurde evaluiert, ob es sich aus der Perspektive eines Unter­nehmens „lohnt“, in Früherkennungs- und Präventionsmaßnahmen seiner Mitarbeiter zu investieren. Dabei wurden sowohl monetäre als auch nicht-monetäre Aspekte betrachtet. Zur Beantwortung der gestellten Frage wurde auf der Grundlage zahlreicher Experteninterviews ein Berechnungstool entwickelt, mit dem die monetären Aspekte evaluiert wurden. Das Berechnungstool wurde so modular wie möglich gestaltet, damit es einerseits auf ein möglichst breites Indikationsfeld angewendet werden kann, andererseits so unternehmensspezifisch wie möglich arbeitet. Es erlaubt eine Differenzierung hinsichtlich Branche, Altersstruktur und Qualifikationsniveau eines Unternehmens bzw. dessen Belegschaft. Aber auch andere Aspekte wie die Annahmequote und der Preis einer möglichen Vorsorgemaßnahme, Gewichtsreduktionsverlauf, Diskontierungsfaktor etc. wurden bei der Berechnung berücksichtigt.

 

Projekt mit dem Fraunhofer Institut (1): Optimierung der Bestell- und Kommissionierprozesse von Apothekengütern eines regionalen Krankenhauses

Steigende Anforderungen, auch an die Wirtschaftlichkeit, zwingen Kliniken dazu, sich vermehrt mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. In einem regionalen Krankenhaus ergab sich aus dem Zwang der Effizienzsteigerung die Notwendigkeit, die logistischen Abläufe der Apotheke zu hinterfragen. Das Projekt setzte sich aus zwei Teilbereichen zusammen, die beide engen Bezug zur Apotheke haben. Auf der einen Seite wird das apotheken-interne Logistiksystem näher betrachtet. Auf der anderen Seite wurde das Bestellsystem selber untersucht. Hierbei handelt es sich um eine Schnittstellbetrachtung zwischen der Apotheke und den Stationen, die Medikamentenbestellungen an die Apotheke aufnehmen und bearbeiten müssen. Daher wurden die aktuellen Prozesse analysiert, Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet und Empfehlungen ausgesprochen.

 

Projekt mit dem Fraunhofer Institut (2): Die „Patientenlogistik“ eines regionalen Krankenhauses

Unzufriedene Patienten, lange Wartezeiten und eine verbesserungsfähige Prozess- und Ablaufgestaltung in der Klinikambulanz eines regionalen Krankenhauses waren die Problemstellungen bei diesem Projekt. Die Zielsetzung lag in der Identifikation von Schwachstellen bzw. des Engpasses in der Behandlungskette. Dafür wurden im Rahmen einer Patientenbegleitung Wartezeiten vor einzelnen Behandlungsbereichen dokumentiert, qualitative Betrachtungen vorgenommen, standardisierte Interviews mit leitenden Ärzten und dem Pflegepersonal geführt sowie eine Patientenbefragung vorgenommen. Nach der Auswertung der Daten und der Analyse der Ergebnisse wurden Verbesserungspotenziale ermittelt und im Rahmen eines umfassenden Maßnahmenkatalogs dargestellt.

 

Vergleichende Kostenanalyse der Nachsorge beim Mammakarzinom

Das Mammakarzinom stellt in Deutschland und weltweit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen dar. Im Rahmen der hier durchgeführten Evaluation wurden mehrere Fragestellungen beantwortet. Zum einen wurde ermittelt, welche durchschnittlichen Behandlungskosten während der Nachsorge eines Patienten mit Mammakarzinom entstehen. Dabei wurden Patienten aus einer Verumgruppe mit Patienten einer Kontrollgruppe verglichen (die beiden Gruppen unterschieden sich in der Gabe von Mistelpräparaten). Zum anderen wurden die Behandlungskosten der beiden Gruppen mit den Patienten verglichen, die zwischen einer Therapie mit ohne Mistelpräparate wechselten. Anschließend wurde untersucht, wie hoch die Behandlungskosten der drei Patientengruppen sind; als Kostenfaktoren wurden ambulante Ressourcenverbräuche (Mistelpräparate, Hormontherapie, psychoonkologische Therapie, Chemo- und Strahlentherapie, Leistungen nach EBM etc.), stationäre Aufenthalte sowie volkswirtschaftliche Produktivitätsverluste bewertet. Zum anderen wurde auch die Lebensqualität der Patienten näher betrachtet. Hierfür wurden der Karnofsky-Index sowie der ECOG-Status betrachtet.

Schöffski O, Emmert M. Vergleichende Kostenanalyse der Nachsorge beim Mammakarzinom unter besonderer Berücksichtigung von Mistelpräparaten. Deutsche Zeitschrift für Onkologie, 2009, 3, 119-126

 

Gesundheitsökonomische Evaluation eines ambulanten Schulungsprogramms für erwachsene Patienten mit chronischer Bronchitis (COBRA)

Die Zielsetzung von COBRA lag in der Evaluation eines ambulanten Schulungsprogramms für Patienten mit chronischer Bronchitis. Das Hauptziel von COBRA liegt in der Stärkung des eigenverantwortlichen Umgangs mit der Erkrankung. Dabei wurde besonders viel Wert auf das richtige Verhalten bei Atemnot gelegt um zusätzliche Arztbesuche oder Krankenhauseinweisungen zu vermeiden bzw. zu vermindern. Im Rahmen der Evaluation wurden sowohl Auswirkungen auf das Gesundheitssystem (direkte Kosten und Nutzen) als auch Auswirkungen auf die Gesellschaft (indirekte Kosten und Nutzen) näher betrachtet. Sämtliche Kosten- und Nutzenkomponenten wurden aus der Perspektive der Kostenträger erfasst und bewertet. Für die Ermittlung des Erfolgs des ambulanten Schulungsprogramms wurde zwischen zwei Patientengruppen unterschieden; Teilnehmer der Verumgruppe nahmen an dem ambulanten Schulungsprogramm für erwachsene Patienten mit chronischer Bronchitis teil, Patienten der Kontrollgruppe hingegen nicht. Untersucht wurden die letzten 6 Monate vor dem ambulanten Schulungsprogramm sowie 6 Monate danach.

 

Krankheitskostenstudie Schlaganfall

Diese Studie hatte die Zielsetzung der Erhebung von Krankheitskosten eines Schlaganfalls im Zeitverlauf aus Perspektive der Gesetzlichen Krankenkassen. Analysiert wurden die ambulanten und stationären Kosten, Pflege- und Rehabilitationskosten sowie die volkswirtschaftlichen Kosten zu verschiedenen Zeitpunkten. Ein regionales Schlaganfallregister, welches seit 1. April 1994 alle Schlaganfälle ohne Altersbegrenzung dieser Region aufgenommen hat, hat erstmals in Deutschland die Möglichkeit für eine breite Kostenberechnung bei real-world-Bedingungen ermöglicht. Die Patienten wurden dabei in mehrere Alters- und Geschlechtsgruppen eingeteilt; beispielsweise konnte ermittelt werden, welche Kosten ein männlicher Patient, der mit 57 Jahren einen Schlaganfall erlitten hat, im 3. Jahr nach dem Schlaganfall verursacht.

Kolominsky-Rabas PL, Heuschmann PU, Marschall D, Emmert M, Baltzer N, Neundörfer B et al. Lifetime cost of ischemic stroke in Germany: Results and National Projections From a population-based stroke registry. The Erlangen Stroke Project, Stroke, 2006; 37: 1179-1183

 

Krankheitskostenstudie Rezidiv-Schlaganfall

Bei der hier durchgeführten Untersuchung handelte es sich um eine Krankheitskostenstudie des Rezidiv-Schlaganfalls, bei der das Erleiden eines zweiten, d.h. rezidiven, Schlaganfalls ökonomisch bewertet wurde. Die ermittelten Kosten wurden denen von Patienten ohne Rezidiv-Schlaganfall gegenübergestellt. Auch wurde untersucht, welcher Teil der Kosten vor und welcher Teil nach dem Rezidiv-Schlaganfall angefallen ist. Somit konnten neben den durchschnittlich lebenslang angefallenen Kosten untersucht werden, ob der größere Teil der Folgekosten nach einem Schlaganfall vor oder nach dem Rezidiv-Schlaganfall entstanden ist. Auch die Betrachtung der Lebensqualität wurde im Rahmen der Evaluation berücksichtigt.

 

Lebensqualitätsstudie Schlaganfall

Bei der hier durchgeführten Untersuchung wurde in einem ersten Schritt die Lebensqualität von Schlaganfall-Patientengruppen dokumentiert, welche eine medikamentöse Standardtherapie nach einem Schlaganfall erhalten haben. Als Zielsetzung wurde evaluiert, ob ein sich noch in der Entwick­lung befindendliches, neues innovatives Präparat für Patienten einen Zugewinn an Lebensqualität bedeuten würde. Für die Ermittlung der Lebensqualität wurden die vier folgenden Instrumente eingesetzt: EuroQol (EQ-5D), Short Form 36 Health Survey (SF-36), Stroke Impact Scale (SIS) und Willingness-to-pay. Auch wenn diese mit der Messung der Lebensqualität eine gemeinsame Zielsetzung haben, wei­sen sie spezielle Eigenschaften auf und legen die Ergebnisse in unterschiedlicher Art und Weise dar. Diese reichen von einzelnen Skalen wie beispielsweise „Vitalität“ beim SF-36 bis hin zu einem LQ-Indexwert beim EQ-5D, der alle gesundheitlichen Aspekte in einem Wert widerspiegelt. Somit konnte für jede Patientengruppe die Lebensqualität ermittelt werden, wodurch Vergleiche zwischen den einzelnen Gruppen möglich wurden.

 

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